Revolutionär neuartig.

5G - Mobilfunkstandard der Zukunft.

  

Interview mit Sebastian Rettlinger von Telemotive

  
5G wird der Wegbereiter fürs autonome Fahren sein. Denn dieser künftige Mobilfunkstandard ermöglicht einen blitzschnellen und erstmals dezentralen Datenaustausch. Doch es gibt noch viele offene Fragen. Was 5G so besonders macht, wie die Konzeption vorangeht, und warum Telemotive ganz vorne mit dabei ist – darüber spricht Sebastian Rettlinger im Interview.

Sebastian Rettlinger, Gruppenleiter bei Telemotive

 

 

„Die Welt wartet auf 5G!“

Sebastian Rettlinger, Gruppenleiter bei Telemotive

 

Google bringt zu „5G“ 130 Millionen Ergebnisse. Ist das Thema wirklich so wichtig?

Auf jeden Fall. Die Welt wartet auf 5G! Als Nachfolger von 4G wird es der neue Mobilfunkstandard werden. Dafür laufen bereits jetzt die ersten Vorbereitungen. Das Thema ist also brandheiß und ist auf Fachmessen sehr präsent. Auch die Industrie wird zunehmend auf 5G aufmerksam. Kein Wunder – denn es ist Wegbereiter für das Internet of Things und natürlich fürs Autonome Fahren. Ist das Fahrzeug erst einmal ein rollendes IT-System, geht es nicht mehr ohne blitzschnellen Datenaustausch.

Was macht 5G so besonders?

5G ist nicht nur eine Weiterentwicklung von 4G, sondern viele der Technologien sind komplett neuartig. Denn darin stecken viele neue komplexe Schlüsseltechnologien. Zum Beispiel die Netzwerk-Codierung oder die Übertragung im Nanometerwellenbereich. Das erhöht die Bandbreite und macht den Datenaustausch rund zehn Mal so schnell. Das Netz wird quasi aufgebohrt. Noch viel spannender ist aber, dass die Grenzen zwischen Mobilfunk und Netzwerk verschwimmen werden – alles wird vernetzbar.

 

Welche Rolle nehmen dabei Mobilfunkgeräte ein?

Mobilfunkgeräte können bei 5G sowohl klassisch als Empfänger von Daten fungieren, als auch als Zwischenspeicher und Mittlerstelle für Informationen. Sie leiten dann Daten, die sie per Satellit empfangen, selbst weiter oder verarbeiten diese vor. So entstehen laufend lokale Ad-Hoc-Netzwerke, also spontane Netzwerke direkt vor Ort. Diese ergänzen die bisherige Kommunikation zwischen Mobilfunkgerät und Basisstationen. Dadurch gewinnen wir Leistung.

 

Was hat es mit der dezentralen Datenspeicherung auf sich?

Das Empfängergerät greift nicht mehr nur wie bei konventionellen Netzwerken auf ein Rechenzentrum am anderen Ende der Welt zu, sondern die Daten werden zu großen Teilen dezentral gespeichert und weitergeleitet. Damit wandern die Daten näher an die Empfänger. Dies ermöglicht die hohe Geschwindigkeit der Datenübertragung. Durch die dezentrale Datenspeicherung wird außerdem das Netz stabiler, da Störungen viel leichter abgefangen werden können und der Zugriff für Hacker deutlich schwieriger wird. Trotzdem muss man sagen, dass gerade beim Zusammenspiel der einzelnen Komponenten noch viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit notwendig ist.

Was ist die „Mobile Edge Cloud“?

Die Mobile Edge Cloud ist ein weiterer Ansatz, um das Netzwerk der Zukunft zu dezentralisieren. Anstatt auf einem entfernten Servercluster werden viele Rechendienste zukünftig direkt am Rande des Mobilfunknetzwerks beim Endnutzer stattfinden. Das verkürzt wiederum die Wege und spart Übertragungsleistung. Damit das alles reibungslos funktioniert, muss es allerdings einen einzigen verbindlichen Standard geben. Und der muss erst einmal definiert werden.

Sie vertreten Telemotive im 5G Lab. Was passiert hier?

Das 5G Lab ist ein Gremium an der TU Dresden mit weltweiten Kooperationen mit Industrie und Wissenschaft. Unser wichtigstes Ziel ist die Schaffung einer allgemeinverbindlichen Architektur für 5G. Hier ziehen alle an einem Strang. Die Mitgliedschaft bei 5G ermöglicht uns, bei der Entwicklung und Forschung in erster Reihe dabei zu sein. Und nicht nur das: Wir gestalten 5G hier maßgebend mit!

Wann könnte der Startschuss für 5G in der breiten Bevölkerung fallen?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Olympiade in Japan 2020 ein erster Ort für die breite Einführung des 5G Mobilfunknetzes sein könnte. Schließlich hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, 5G zu den Spielen einzuführen. Ist aber nur eine Vermutung. Einen Stichtag wird es ohnehin nicht geben, der Aufbau des Netzes wird kontinuierlich erfolgen.

Können die jetzigen Mobilfunkgeräte eigentlich 5G?

Das ist eine wichtige Frage. Ziel ist es, dass 5G abwärtskompatibel sein wird, sodass die Einführung des neuen Standards Schritt für Schritt stattfinden wird. Es muss sich also niemand Sorgen um sein neu gekauftes Smartphone machen.

 

 

„Im Bereich 5G kann man die Welt verändern!“



Hätten Sie noch einmal die Wahl – würden Sie wieder den gleichen Job machen?

Auf jeden Fall! 5G ist so spannend! Manchmal kann ich es selbst kaum glauben, wie nah ich hier an der Zukunft arbeiten darf. Ohne Übertreibung: Im Bereich 5G kann man die Welt verändern. Deshalb suchen wir begeisterte und umsetzungsstarke Persönlichkeiten, die Pionierarbeit leisten möchten, gerne querdenken und sich tagtäglich fragen, wie man dem gemeinsamen Ziel 5G ein Stück weit näher kommt. Wer Lust hat mitzumachen, kann sich gerne initiativ bei uns bewerben